Personenschifffahrt

 

drei Fahrgastschiffe im Winter  vor dem Alten Zollhaus

 

 

Niendorf besteht zwar als Seebad bereits seit 1855, bekam aber erst  1912 einen Bahnanschluss. Es war also äußerst schwierig, hierher  zu gelangen. Dennoch wurde die strömende Gästeschar immer größer und überrundete 1890 erstmalig Travemünde. Man reiste im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts mit dem Schiff an oder man ließ sich mit der Kutsche vom Bahnhof Pansdorf abholen.

Die erste regelmäßig verkehrende Schiffslinie nimmt 1876 ihren Betrieb auf. Sie verkehrt von Lübeck bis Neustadt und bootet ihre Passagiere  mithilfe der Fischer vor den Seebädern aus (Timmendorf war noch nicht dabei, da es zu dieser Zeit nur aus wenigen Häusern bestand).

Nachdem Travemünde an das Bahnnetz angeschlossen war, lohnte sich die Schiffslinie nicht mehr. Sie wird 1882 eingestellt. Von 1900 bis 1928 läuft erneut ein Passagierschiff Niendorf an (ab 1909 entlädt es seine Gäste an der neu erbauten Landungsbrücke).

Ab ca. 1930 gibt es zwar keine regelmäßige Schiffsverbindungen mehr (Timmendorfer Strand erhält 1928 seinen Bahnhof), aber kleine Schiffe und Boote bieten den Sommerfrischlern Ausflugsfahrten an. Dieser Service wird nach dem Krieg fortgesetzt (im Krieg werden die Boote zu Sicherungszwecken eingesetzt). Unter anderem bietet  das Niendorfer Original Onkel Charly  mit seinem Segelboot auch den Urlaubern seine Dienste an (der Holzbildhauer  Wolfgang Gerdhagen hat ihm im Hafen ein Denkmal gesetzt).

In den 70 er Jahren blühte neben den Ausflugsfahrten, die sogenannten Butterfahrten, bei denen die Fahrgäste meistens nur für 1 Pfennig eine kurze Seefahrt außerhalb der 3 Meilen Zone machten, um hier Butter, Schnaps und Zigaretten zollfrei einzukaufen. Die EU machte diesem lukrativen Erwerbszweig  Ende der 90 er Jahre ein Ende. Nun fahren 5 Ausflugsboote wieder zu normalen Preisen zu Bädern der Lübecker Bucht  bis nach Mecklenburg .

Ein neuer Erwerbszweig hat sich seitdem auch stark entwickelt: die Seebestattung.